JaehrlicheGeburtenrate

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Im Podcast hr2 - Der Tag gibt Peter Zudeik zwei Interpretationen des Begriffes jaehrliche Geburtenrate zur Diskusion:

  • Anzahl der Lebendgeborenen pro Jahr bezogen auf 1000 Einwohner
  • durchschnittliche Zahl an Kindern, die eine Frau in ihrem Leben bekommt

Welche Interpretation ist entscheidend fuer die Entscheidung: Bevoelkerungsschwund oder nicht?

Frau Prof. Dr. Michaela Kreyenfeld vom Max Planck Institute for Demographic Research betont zuerst, dass die jaehrliche Geburtenrate eigentlich nur ein Schaetzwert fuer die tatsaechliche Kinderzahl einer Frau ist. Dieser Schaetzwert kann sehr verzerrt sein, sobald das Alter (der Frauen) bei der Geburt im Durchschnitt steigt. Denn dann sinkt die jaehrliche Geburtenrate, obwohl Frauen in ihrem Leben genausoviele Kinder bekommt wie vor dem Sinken der Geburtenrate. Durch den - meiner Meinung nach wirtschaftlich und technologisch bedingten - Aufschubprozess der Frauen in Industrielaendern sank die Geburtenrate (Stichwort: Pillenknick). Dieser Aufschubprozess kommt nun aber zum Ende - (Stichwort: biologische Uhr). Also bekommen die Frauen bekommen nun die Kinder spaeter als frueher ueblich, aber nicht beliebig spaeter. Das Alter fuer die erste Geburt pendelt sich ungefaehr bei Anfang bis Mitte dreissig ein. Daher erholt sich jetzt die jaehrliche Geburtenziffer. Die Erholung der jaehrlichen Geburtenrate (Stichwort: Trendumkehr, Babyboom) hat also z.B. nichts mit der Familienpolitik zu tun. In Wirklichkeit hat sich nichts - oder wenig - an der durchschnittliche Zahl an Kindern, die eine Frau in ihrem Leben bekommt, geaendert, obwohl die jaehrliche Geburtenrate Jahrzehnte niedrig war und nun steigt. Daher ist es nicht ratsam, sich auf statistische Zahlen, wie die jaehrliche Geburtenrate, zu konzentrieren. Nach Frau Kreyenfeld kann man da keinen direkten Kausalzusammenhang herleiten.

Nochmal zur jaehrlichen Geburtenrate aus Sicht der Demographie: Zum Erhalt der Bevoelkerung muss diese Zahl bei etwa 2.1 liegen. Dies haben die wenigsten Industruielaender momentan erreicht. Am naechsten liegen Frankreich und die skandinavischen Laender. Bei Deutschland liegt die Zahl bei 1.4. Man muss aber bedenken, dass in der jaehrlichen Geburtenrate NICHT die Zuwanderung reingerechnet wird.

Quellen